Kingdom of Tonga

Kurzentschlossen haben wir uns am 08.11.2007 einen Traum erfüllt und sind in die Südsee in das Königreich Tonga gereist.

Mitten in der Nacht sind wir um 3.00 Uhr nach Auckland gefahren und kamen dann um 10:00 Uhr in Tonga auf der Hauptinsel Tongatapu an. Dort mussten wir uns zunächst um die Flugtickets für den Inlandsflug auf die Ha’apai Inselgruppe kümmern, die wir per E-mail bei einem örtlichen Reisebüro gebucht hatten. Da die natürlich soviel Geld wie möglich kassieren wollten, haben sie uns die Tickets in der Hauptstadt Nuku’alofa abholen lassen, eine 30-minütige Fahrt vom Flughafen. J Als die Tickets endlich nach einer dreiviertel Stunden! (per Hand) ausgestellt worden waren < Stichwort Tongan Time>, hatten wir noch etwas Zeit bis zum Abflug am Nachmittag und so entschlossen wir uns, die Zeit und das tolle Wetter (ca. 30 Grand und Sonnenschein pur) auszunützen und eine kleine Inseltour zu machen. (Das Reisebüro bietet natürlich auch individuelle Rundtouren an.) Wie sich dann später noch herausstellte, war das genau die richtige Entscheidung, denn die Hauptinsel ist im Vergleich zu den anderen recht langweilig und es gibt nicht so viel zu sehen, zudem hätten wir später auch gar nicht mehr die Zeit dazu gehabt!

Wie haben uns also einige der touristischen Attraktionen der Insel Tongatapu angesehen, darunter das Grab des im letzen Jahre verstorbenen (fetten) Königs sowie die derzeit neu gebaute Königsresidenz (der jetzige König möchte direkt am Meer wohnen – kann man wohl auch voll und ganz nachvollziehen). Weiterhin waren wir an den berühmten Blow Holes, leider hatten wir etwas Pech, denn es war gerade Ebbe. Bei Flut wird Wasser vom Ozean unter die Felsenküste gespült und mit großem Druck durch Löcher im Gestein in Fontänen nach oben gedrückt. Die können wohl bis zu 30m hoch werden, das muss dann ganz schön beeindruckend sein. Außerdem haben wir noch die Flying Foxes gesehen, vegetarische Flughunde, die auch kopfüber von Bäumen hängen. Was uns sehr beeindruckte, war die wunderschöne, natürliche Felsenbrücke Hufangalupe, von der aus man etwa 30m in die Tiefe auf eine Felsenbucht hinter dem Riff hinabblicken konnte. Ansonsten haben wir jede Menge Kokospalmen-, Yams- und Maniok-Plantagen gesehen. Das Land dort ist ziemlich fruchtbar, die Erde richtig schön rotbraun, sodass überall Büsche, Gräser und sonstiges im Überfluss wachsen kann (und wenn es mal regnet, dann regnet es glaub ich ordentlich, haben aber gottseidank nicht wirklich einen Regentag erlebt, nur mal einen kräftigen Regenschauer).

Anschließend sind wir dann wieder zum Flughafen gefahren, der Flug nach Ha’apai, Lifuka Island war auf drei Uhr angesetzt, um halb vier sind wir dann mal los gekommen, denn die Tongan people nehmen es nicht so genau mit der Zeit. Wenn man bedenkt, dass es im domestic terminal nur jeweils zwei An- und Abflüge täglich mit max. 17 Passagieren gibt, dann ist das wirklich eine ziemliche Verspätung. Der Flug dauerte 45 Minuten und war wunderschön, es gab viele verschiedene Insel und Atolle zu sehen, sowie sämtlich verschiedene Blautöne, wenn er auch etwas wackelig war.

Als wir dann in Lifuka ankamen, war leider niemand da, der uns abholte, denn irgendwie hatte die Matafonua Lodge das verpeilt (die 2 Übernachtungen hatten wir als einzige im Voraus gebucht). War aber nicht weiter schlimm, denn ein Tauchlehrer (ein Ire) aus dem Hotel „nebenan“ war am Flughafen und er hat uns dann mitgenommen. Das war ziemlich lustig, denn er gab gleich ein paar Anekdoten über Land und Leute zum Besten. Am Abend kam er dann noch in der Lodge vorbei, zusammen mit seiner Freundin, einer Deutschen aus Lauf (in Bayern)!

Tja, und dort am ganz nördlichen Zipfel auf der Insel Foa, die mit einer „Riff-Straße“ mit Lifuka verbunden ist, war es wirklich paradiesisch schön. Man kann die Schönheit, Ruhe und Atmosphäre einfach nicht in Worte fassen, aber es war definitiv der Ort auf Tonga, der uns am besten gefallen hat. Aber ich glaube, die Bilder sprechen für sich! Das Meer dort ist einfach traumhaft, genau so wie man es aus Bildern kennt und sich die Südsee vorstellt, alle erdenklichen Blautöne, heller Sandstrand und stellenweise langsam flach abfallender Strand sowie unglaublich viele Riffe, die man sogar vom Strand aus sehen kann, weil das Wasser so klar ist.

Der Strand um die Lodge (Houmale’eia Beach) war so gut wie menschenleer, wenn mal mehr als vier Menschen am Strand waren, dann war der schon total überlaufen! Dieser ging einmal um das Inselende herum mit Sicht auf die gegenüberliegende unbewohnte kleine Insel Nukunamo und die etwas weiter entfernte, bewohnte Insel Ha’ano, etwas weiter südlich den Strand entlang dann noch das Hotel (Sandy Beach Resort) und sonst nichts außer Sand, Meer und Wald.

Wir haben dort in einem ganz einfachen, aber superschönen „verbesserten landestypischen“ fale gewohnt, nur durch ein paar Sträucher vom Meer getrennt, sodass man morgens beim Aufwachen direkt das Meeresrauschen und die –brise um sich hatte.

Die meiste Zeit haben wir mit Schnorcheln verbracht, die Riffe waren teilweise gerade mal ein paar Meter vom Strand entfernt. Bei Ebbe, das heißt, wenn weniger Wasser in die Lagune über das ein paar hundert Meter weiter draußen liegende Riff gespült wurde, war das Wasser stellenweise ziemlich ruhig und man konnte bedenkenlos im Meer plantschen. Die Ebbe haben wir dann auch einmal genutzt, um auf die gegenüberliegende unbewohnte Insel mit einem Kajak zu paddeln. Das war trotz der Ebbe einigermaßen anstrengend, aber es hatte sich auf jeden Fall gelohnt, denn wir hatten die einmalige Chance einem kleinen Kokossprössling das Leben zu retten und es an eine vom Wasser geschützte Stelle umzusetzen sowie Hunderten von Krebsen beim lustigen Krabbeln zuzusehen.

Ansonsten haben wir auf Foa viel gefaulenzt, abends gemütlich auf der Terrasse leckeres, selbst gekochtes Essen gegessen und mit den anderen Gästen und dem neuseeländischen Gastgebern der Lodge gemütlich zusammengesessen und geplaudert. Außerdem gab es unglaubliche Sonnenuntergänge zu betrachten und da es nachts ziemlich dunkel war, auch einen atemberaubenden Sternenhimmel.

Alles in allem war es sehr erholsam, aber irgendwie waren wir trotzdem sehr beschäftigt, denn ich bin nicht mal dazu gekommen ein paar Seiten in meinem Buch zu lesen!

Leider hatten wir den Rückflug auf Samstag gelegt, da uns auf Grund des unzuverlässigen Inlandsverkehrs geraten wurde, auf jeden Fall min. 1 Tag vor dem internationalen Flug auf die Hauptinsel zurück zu kommen. Uns gefiel es aber so gut dort, dass wir zunächst den restlichen Urlaub auf Foa verbringen wollten. Da aber Sonntags keine Flugzeuge fliegen (denn Sonntags ist das Arbeiten auf Tonga generell verboten – da wird in die Kirche gegangen, gegessen und geschlafen), wollten wir dann doch das Risiko eingehen und den Flug auf Montag (an dem wir auch nach NZ zurück fliegen wollten) verschieben, aber leider war bereits der Nachmittagsflug gestrichen und der am Morgen ausgebucht. So sind wir dann schweren Herzens am Samstag Nachmittag wieder nach Tongatapu zurück geflogen. Am Flughafen in Ha’apai haben wir dann noch eine Gruppe von 4 deutschen Backpackern kennen gelernt. Dabei stellte sich heraus, dass zwei von denen aus Markgröningen kommen, das etwa 10 min Autofahrt von meinem Heimatort entfernt ist! Da fliegt man nun schon um die halbe Welt und noch mal ein Stück weiter und man trifft doch tatsächlich auf Leute aus dem Kaff nebenan! Wie klein die Welt doch wirklich ist! (Zudem hatten sie den selben Rückflug nach NZ gebucht!)

Den restlichen Abend haben wir dann damit verbracht eine Unterkunft für die Nacht zu finden, um anschließend gemütlich auf der Terrasse zu sitzen, daumendicke Tausendfüßler über den Weg laufen zu sehen und die nächsten beiden Tage zu planen (zugleich auch die letzen).

Am nächsten Morgen habe ich dann also bei dem Royal Sunset Island Resort auf Atata Island angerufen und mit der Managerin einen Preis ausgehandelt, sodass wir letztendlich den Preis für einheimische Gäste bekommen haben (der nicht aktualisierten Preisangabe im Lonely Planet sei dank!). Trotzdem war das Hotel ziemlich teuer!

Um 10.00 Uhr sind wir dann mit dem Motorboot am Hafen abgeholt worden und sind auf der schönen Insel Atata nach 30-minütiger Fahrt angekommen. Dort gab es erst mal einen Begrüßungsdrink und uns war schnell klar, dass die nächsten beiden Tage sehr ruhig werden würden: Wie sich später dann auch herausstellte, waren wir nach Abreise einiger Gäste am späten Nachmittag nur noch insgesamt vier Gäste! Das heißt, wir konnten uns alles mögliche und zu jeder beliebigen Zeit Mittag- oder Abendessen bestellen. Nachdem wir dann an unserem „fale“ angekommen waren, mussten wir leider feststellen, dass es auf dieser Insel unglaublich aggressive Moskitos gibt, denn nach nur ein paar Minuten auf der Terrasse waren wir dermaßen verstochen, sodass wir schnellsten die Sonnencreme abgeduscht und mit Moskitospray getauscht haben.

Als erstes sind wir natürlich sofort ins Wasser gesprungen und haben ein bisschen geschnorchelt. Ich persönlich fand es etwas eklig, denn es gab massenweise Seegurken und Seegras. Außerdem haben wir in Löchern am Boden jede Mende Muränen entdeckt, die ziemlich furchteinflössend aussahen, mit denen ich nicht so viel anzufangen wusste und wir uns auch nicht ganz sicher war wie gefährlich die waren. Allerdings haben uns hier auch immer ganz bunte, sandspuckende, kugelige Fische neugierig betrachtet, die sich, wenn wir zu nahe kamen, immer auf eine Seite gedreht haben und einer Höhle oder in einem Sandloch verschwunden sind! In der Nähe des Bootsteges aber war es ganz nett zu schnorcheln, denn dort haben wir allerlei bunte Fische und Seeigel gesehen. Allerdings gab es hier auch die gefährlichen Steinfische, die sich am Boden aufhalten und vor denen uns schon der Tauchlehrer gewarnt hatte. Wenn man ihnen zu nahe kommt, stellen sie am Rücken giftige Stacheln auf und wenn man drauf tritt, sollte man möglichst ins Krankenhaus! Also haben wir uns von denen fern gehalten.

Wir hatten sogar eine Unterwasserkamera mit dabei, die Bilder sind allerdings noch nicht entwickelt, aber sobald wir die irgendwie elektronisch haben, stellen wir sie für euch noch ins Netz.

Am Nachmittag sind wir dann noch mit einem Boot zu einem riesigen, wunderschönen Riff gefahren worden, wo es einiges an Korallen und Fischen zu bestaunen gab. Am besten haben uns die riesengroßen Muscheln gefallen, die in der Nähe des Riffs auf dem Boden lagen. Die größten waren bestimmt einen Meter lang und noch lebendig, so was hab ich noch nie gesehen. Ich schätze mal, wenn die sich geöffnet hätten, hätte ich mich sicherlich gemütlich reinsetzen können!

Ansonsten haben wir uns viel Zeit zum Essen genommen da wir ohnehin über eine Stunde auf das Abendessen gewartet haben (und das obwohl wir die einzigen waren, die etwas bestellt hatten – Tonga Time J ).

Am nächsten Tag (Montag) bin ich dann endlich mal dazu gekommen, mein Buch zu lesen, Janis hat lieber den halben Vormittag geschlafen (war aber auch berechtigt, den abends ging ja unser Flug und wir wollten in der gleichen Nacht noch nach Hamilton zurück fahren).

Nach dem Mittagessen haben wir dann noch einen kleinen Inselrundgang unternommen und haben dem 200 Seelen Fischerdorf einen Besuch abgestattet. Von der Schule war ich sehr beeindruckt, es war wohl grad Musikstunde und das ganze Dorf war mit rhythmischen Klängen und Gesang erfüllt. Auf dem Weg hat uns ein treuer Hund aus dem Resort begleitet, der auch gerne mal unter unserem fale gedöst hat. Er hat am Strand aufgepasst, dass wir nicht von den Schweinen angefallen werden und hat sich immer verscheucht J Die Schweine waren ein sehr lustiger Anblick, ich glaub man nennt sie auch „Fishing Pigs“ auf Tonga, denn sie graben und wühlen mit ihrem Rüssel im Sand nach irgendwelchen Krustentieren. Und ich glaub im und um das Dorf herum gab es annähernd genau so viele Schweine wie Bewohner! Die Häuser sind eher klein und spärlich und wie überall in Tonga wird das Regenwasser in großen Kanistern gesammelt. Was nicht sehr schön war, war das Müllproblem. Überall am Strand liegt Müll herum, sogar ein altes Radio, und es gab eine „Müllhalde“, auf der der einfach alles verbrannt wird.

Anschließend haben wir dann unser Zeugs gepackt und darauf gehofft, problemlos zur Hauptinsel zurück zu kommen, denn mittlerweile gab es einen recht kräftigen Regenschauer. Das hat sich leider dann doch auf dem Meer bemerkbar gemacht: Es hatte zwar aufgehört zu regnen, aber der Seegang war doch noch sehr rau. Ich werde eigentlich nie seekrank, aber während dieser Fahrt habe ich mich doch ganz schön aufs „nicht krank werden“ konzentrieren müssen!

Und typisch Tongan Time – das Boot lief erst mit einer dreiviertel Stunde Verspätung los!

Zurück auf Tongatapu haben wir die restliche Zeit bis Abends um acht noch in einem Cafe totgeschlagen und sind dann zum Flughafen gefahren. Da wurde dann alles etwas hektisch, denn wir hatten nicht mehr genügend Bargeld um die Ausreisesteuer zu bezahlen, weil wir vorher noch den Rest munter ausgegeben haben, damit wir nicht so viel Geld übrig hatten! Na Toll! Glücklicherweise konnten uns die deutschen Backpacker 20 Dollar leihen. Allerdings gab es dann ein noch größeres Problem, denn die wollten uns nicht ausreisen lassen. Sie meinten ich müsste einen Ausdruck meines elektronischen Visums mitführen und Janis sein Rückflugticket nach Deutschland. Sie müssten erst mit der neuseeländischen Botschaft telefonieren, ob mit unsere Aufenthaltsgenehmigung alles in Ordnung sei, OBWOHL wir beide einen Stempel im Pass hatten, der die Arbeitsgenehmigung bescheinigt, was ja quasi gleichzeitig auch die Aufenthaltsgenehmigung ist!!!

Mich hat das alles sehr gestresst, den die Airline mit der wir geflogen sind, fliegt glaub ich nur dreimal die Woche oder so!

Naja, irgendwann bekamen wir dann unsere Tickets und sollten uns bei Problemen mit der Anreise an einen bestimmten Einwanderungsbeamten in Auckland wenden. Natürlich gab es bei der Einreise keine Probleme, denn unsere Papiere waren ja in Ordnung. Und lustigerweise hatten die vier Backpacker, die das gleiche Visum wie ich haben, keine solchen Probleme. Naja, wer weiß welche Laus der Flughafenbediensteten über die Leber gelaufen war!

Trotzdem hat das dem schönen Urlaub keinen Abbruch getan!

Wenn wir jemals noch mal nach Tonga gehen, dann sicherlich wieder nach Foa, und zwar für mehrere Tage! Und was noch schöner, erschlossener aber auch touristischer als Ha’apai sein soll ist, die Inselgruppe Vava’u, noch weiter nördlich gelegen. Leider hatten wir zu wenige Tage in Tonga, sodass es nicht mehr gereicht hat dorthin zu fahren, aber ich bin mir sicher, das ist einen Besuch wert. Auf der Hauptinsel gibt es nicht so viel zu tun, von daher kann man getrost auf die vielen kleinen Inselchen ausweichen.

Tonga ist wirklich sehr empfehlenswert: Wunderschöne Traumstrände, relaxte und freundliche Bewohner (Tonga heißt ja nicht umsonst auch The Friendly Island), sehr viel weniger touristisch und überlaufen als beispielsweise Fidschi (so hört man), daher sind die Preise noch relativ gering und die Tongan Time ist auch nicht zu verachten – man verliert komplett das Zeitgefühl!

Wir würden am liebsten schnellstens noch mal für ein paar Tage dorthin!

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